Archiv für Juli 2007

Der Einstieg ins Hobby

Ein kleiner Beitrag, der mal ganz ohne aufwendige Tabellen auskommt. Die Frage ist einfach: In welchem Alter gerät man ans Rollenspiel?

Wenn die Schätzungen halbwegs akkurat waren, so fanden die Teilnehmer im Schnitt mit 15,5 Jahren zum Rollenspiel (Standardabweichung nur 4,47 und dass bei einer Spanne von mehr als 30 Jahren). Die Quartile liegen bei 13, 15 und 17 und somit ziemlich eng beieinander. Zur Erläuterung: D.h. dass 25% aller Teilnehmer in ihrem 13 Lebensjahr oder früher “angefixt” wurden, weitere 25% bis zum 15. und nochmals 25% bis zum 17. Vom letzten Viertel, welches erst später zum Rollenspiel kam, konzentriert sich ein Großteil auch noch auf einen Bereich bis ~24, wonach es wirklich stark absackt. Bei drei Vierteln wurde der Grundstein bis 17 gelegt.

Ein signifikanter Unterschied ergibt sich bei den Geschlechtern: Unterscheidet man hier, ergibt sich ein Mittelwert von nur 15,1 Jahren bei den Männern, der ganzen 18,3 Jahren bei Frauen gegenübersteht (und sich durch höchste Signifikanz auszeichnet). Wo sich hier vielleicht noch andere signifikante Unterschiede ergeben, habe noch nicht untersucht (nur bei den Clustern, und da ist nüschts zu holen).

Noch eine Anmerkung: Für’s Ausfüllen des Fragebogens wurden im Schnitt 328 Sekunden, also ziemlich genau 5 1/2 Minuten benötigt. Dieser Wert wird allerdings durch ein paar Ausreißer heftig verzerrt. In einem Fall wurden 61 Minuten benötigt… wahrscheinlich hatte nur jemand das Browserfenster vergessen. Aussagekräftiger ist da schon, dass 75% aller Befragten nur 332, also 5 1/2 Minuten und weniger brauchten.

Das andere Lager

Wie ich schon in einem für manche etwas provokanteren Beitrag schrieb, wollte ich mich auch noch der sehr umfangreichen D&D-Spielerschaft widmen. Wie weit haben denn schon jene über den Tellerrand geblickt, welche D&D/D20 als Lieblingsrollenspiel angegeben haben? Gerade wenn man dabei die Gruppe der “Alteingesessenen” aus den vorherigen Beiträgen im Hinterkopf behält, liegt die Vermutung nahe, dass auch die D&D-Fans tendenziell weniger “Erfahrung” haben.

Die “großen Zwei” sind eben außerordentlich gut darin, Spieler zu binden. Von jenen, die DSA als Lieblingsrollenspiel angaben, hatten 92,7% in ihrer Rollenspielerkarriere hauptsächlich eben dieses gespielt. Bei den D&Dlern liegt dieser Anteil immerhin noch bei 71,1%. Auch Shadowrun und die Welt der Dunkelheit schneiden recht gut ab – wie hier zu sehen. Interessant wäre vielleicht auch die Frage, wer mit welchem Rollenspiel angefangen hat. Natürlich gibt es auch da naheliegende Vermutungen, aber eben keine Zahlen. Egal.

Wie viel Rollenspielerfahrung haben nun D&D-Fans (sprich: Lieblingsrollenspiel = D&D/D20)? Eine einfache Tabelle gibt Auskunft:

Und siehe da: Die Mittelwerte von Alter und Rollenspielerfahrung in Jahren heben sich nicht deutlich vom Rest ab, die Zahl gespielter und im Besitz befindlicher Systeme hingegen schon. Im Gegensatz zu den Werten bei DSA-Spielern, zeichnet sich hier allerdings nicht jeder Wert durch eine ordentliche signifikanz aus. Tatsächlich liefert nur die Zahl der gespielten Systeme auch einen wirklich signifikanten Unterschied.

Hypothese: Haben D&Dler weniger Rollenspielerfahrung, weniger Rollenspiele gespielt und überhaupt weniger Rollenspiele, als andere?
Bedingt. Weniger Erfahrung in Jahren nicht, aber doch eher weniger tatsächlich ausprobiert. Bei den Besitzverhältnissen sind die Varianzen noch zu groß, als dass man mit Sicherheit etwas aussagen könnte.

Da mir gerade auffällt, dass ich die Daten zu DSA noch ganz anders aufgearbeitet hatte, hier noch mal die entsprechende Tabelle (und es sind alle Unterschiediede signifikant):

Und zum Abschluss noch eine kleine Übersicht, wie sich die Meinungen der D&Dler so im Schnitt vom Rest unterscheiden. Nur der Vollständigkeit halber…

 

Tabellenmonster

Und nun der ganze Rest. Oder zumindest ein guter Teil davon. Fünf Cluster sind unterschieden und da stellt sich natürlich die Frage, wie sich die Gruppen sonst voneinander unterscheiden. Ich muss leich zu Beginn sagen: Man erwarte bitte nicht zu viel!

Zunächst zu den bereits im Zusammenhang mit DSA untersuchten Bereiche: Alter, Rollenspielerfahrung, gespielte Systeme, Rollenspielsysteme als Buch und elektronisch.


-> Für Statistik-Cracks

Ganz klar: Die DSA-Fans decken sich zu großen Teilen mit jenen, die DSA als Lieblingsrollenspiel angaben. Die DSA-Fans fallen durch ein geringeres Durchschnittsalter, weniger gespielte und im Besitz befindliche Spiele auf. Sie heben sich in allen Punkten deutlich (d.h. signifikant) von allen andereb Teilnehmern ab. Zu den Alles-Spielern lässt sich an dieser Stelle wenig sagen. Zwischen den anderen Gruppen, muss man sie wohl irgendwie als Mittelmaß einordnen. Nonkonformisten heben sich durch ihr höheres Alter und ganz deutlich durch die Zahl gespielter Systeme vom Rest ab. Da kann auch die ARS-Front nicht ganz mithalten. Die Alteingesessenen fallen auch wieder durch ihr etwas höheres Durchschnittalter auf. Ich empfehle jedem interessierten, die Vergleiche der einzelnen Cluster mit dem Rest noch einmal zu studieren. Die Gruppenstatistiken sind dabei noch recht leicht verständlich, bei “Test bei unabhängigen Stichproben” wird es schon ziemlich haarig. Nur als kurze Faustregel, wenn man damit wirklich gar nichts anfangen kann: Man kreuze die untersuchte Variable mit “Sig. (2-seitig)” und erfreue sich an Werten unter 0,05. Das muss erst mal reichen…

So viel zu diesen Mittelwerten. Eine andere Statistik, die mit allerhöchster Signifikanz daherkommt (nach der “Rollenspielverteilung” leider so zimelich die einzige): Die Geschlechterverteilung!

Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Sehr befriedigend fand ich auch, dass die reine Clusteranalyse nach den Meinungen, hochsignifikante Ergebnisse liefert, wenn man nun nach den jeweils (1) insgesamt meistgespielten, (2) im letzten Jahr meistgespielten und dem (3) Lieblings-Rollenspiel unterscheidet. Der Übersichtlichkeit wegen, habe ich mich hier auf die Top6 beschränkt (wegen des “Einbruchs” nach Warhammer in der letzten Grafik dieses älteren Beitrags). Die Ausführlichen Tabellen werde ich auf Wunsch noch nachliefern…

Zum Abschluss möchte ich jedem noch empfehlen, einen kurzen Blick über einen ganzen Haufen an Kreuztabellen schweifen zu lassen. Ein paar Tabellen fallen hier durch ihre Signifikanz auf: Haushaltsform, Familienstand und Kinder. Die “heiklen Fragen” (Sonntagsfrage, Religion & Einkommen) enttäuschen leider. Zumindest beim Einkommen werde ich noch versuchen ein wenig zu “tricksen”.

Ich weiß, ich präsentiere nicht alles in feinen Häppchen, aber da Rollenspieler scheinbar nicht zu den bildungsfernen Schichten gehören, halte ich dies für durchaus vertretbar.

Jetzt muss ich für heute wieder Schluss machen. Mal schauen, wozu ich morgen und am Wochenende noch komme… Für die Zukunft: Hat vielleicht jemand Ideen/Wünsche, nach welchen Merkmalen ich noch Clustern könnte?

Cluster

Das erstellen ordentlicher Diagramme ist mit einem Aufwand verbunden, den ich so nicht erwartet hätte. Doch es hat sich gelohnt – wie ich finde.

Wie schon geschrieben, habe ich auf Basis der Meinungsumfrage nach Clustern suchen lassen und die folgende Unterteilung in fünf Gruppen für interessant befunden. Man könnkte theoretisch deutlich mehr oder auch weniger Cluster unterscheiden, diese fünf schienen mir aber praktikabel: Relativ große aber dennoch differentierte Gruppen. Vielleicht kann ich irgendwann diese Cluster noch weiter unterteilen, aber das soll mich noch lange nicht tangieren.

Also: Alle 515 Fälle wurden jeweils genau einem Cluster zugeordnet. Jede Gruppe hat für alle Variablen jeweils ein Clusterzentrum. Jeder Fall wurde jenem Cluster zugeordnet, dem er eben am ähnlichsten ist. Die Namen habe ich nun auch zusammen:

  • DSA-Fans (150 Fälle)
  • Alles-Spieler (108 Fälle)
  • Nonkonformisten (59 Fälle)
  • ARS-Front (72 Fälle)
  • Alteingesessene (126 Fälle)

(Obacht, die Reihenfolge wurde nicht aus dem vorherigen Eintrag übernommen) Und hier eine leider viel zu große Übersicht über die Clusterzentren:

Ich kann wirklich nur empfehlen, dieses Diagramm ein wenig zu studieren. Zu fast jedem Punkt gibt es mindestens eine Gruppe, die merklich aus der Reihe tanzt. Die genauen Zahlen sind da deutlich weniger übersichtlich.

Einen Abriss, was man sich unter den Gruppen vorstellen kann, habe ich schon im vorherigen Eintrag gegeben. Um die Profile der Gruppen noch weiter zu differenzieren, sind natürlich auch die Daten zu den anderen Variablen interessant. Meist finden sich da ein oder zwei Gruppen, welche sich signifikant von Rest abheben. Damit werde ich die nächsten Tage noch beschäftigt sein, um die interessanten Sachen herauszupicken.

Ansonsten empfehle ich auch den Überblick über die Boxplots (zu deren Interpretation ich hier schon etwas schrieb) und möchte ein paar der kontroversesten Punkte in einer hübschen Übersicht vorstellen. Die Farbcodierung sollte aus dem Diagramm oben leicht übertragbar sein.

 

Noch Fragen?

Das Kind braucht einen Namen

Nach einer ziemlich ruhigen Woche, werde ich die nächsten Tage eher wieder dazu kommen, hier sinnvoll weiterzuarbeiten. Bevor ich jedoch irgendwas hübsch präsentieren kann, fehlt es mir an ein paar Namen…

Wie bereits angesprochen, habe ich mich mittlerweile an der Clusteranalyse versucht. Dabei werden die Fälle (also alle Teilnehmer) unter Berücksichtigung einer oder mehrerer Variablen in verschiedene Gruppen bzw. Klassen aufgeteilt. Ein ganz simples Beispiel solcher Klassifizierung wäre die Unterteilung nach Lieblingsrollenspiel oder Geschlecht, um dann die Unterschiede zwischen diesen Gruppen zu untersuchen. Tatsächlich wird genau das eigentlich ständig gemacht, aber es geht auch einige Stufen komplexer.

Man kann Cluster auf Grundlage mehrerer Variablen unterscheiden. Jeder Cluster hat dann zu jeder Variablen ein spezifisches Clusterzentrum und alle Clusterzentren zusammen geben quasi ein “Profil” ab. Die einzelnen Fälle/Befragten werden dann jenem Cluster zugeordnet, deren Profil dem eigenen am meisten ähnelt. Anzahl und Umfang der Cluster ist dann für die weitere Untersuchung von großer Bedeutung. Werden nur sehr wenige Cluster unterschieden, fliegen ziemlich viele Fälle in einen Topf, obwohl sie sich wohlmöglich noch sehr deutlich voneinander unterscheiden. Zu viele Cluster (wohlmöglich mit nur wenigen Fällen) differenzieren vielleicht genauer, verlieren aber mit der Fallzahl auch an Aussagekraft und statistischer Signifikanz.

So viel zur Clusteranalyse, jetzt sollte klar sein, was gemeint ist. So komme ich nun zu meinem eigentlichen Anliegen:

Nach einigem herumprobieren, bekam ich endlich unter Betrachtung der Meinungsfragen ein paar sehr interessante Cluster ausgespuckt – fünf an der Zahl. Ich habe die Unterschiede zwischen diesen Klassen schon größtenteils untersucht – allein das “Meinungsbild” sagt schon einiges aus, wenn man sich etwas Zeit nimmt, es wirken zu lassen. Die nächsten Tage werde ich vor allem damit zu kämpfen haben, die ganzen Infos halbwegs strukturiert und übersichtlich zu präsentieren.

Doch bevor ich irgendwas präsentieren kann, brauch’ ich verdammt noch mal ein paar griffige und halbwegs treffende Namen für die Cluster! “Cluster 1″ bis “5″ lässt meine Leser doch gleich einschlafen. Deshalb will ich hier ganz kurz und mit meinen eigenen Worten die Gruppen beschreiben:

  • DSA-Spieler. Der Name steht schon. Alles was zu DSA gehört wird für gut befunden, D&D bewerten sie gleichgültig bis schlecht, sie mögen ihr Stimmungsspiel und nur Powergamer sind unbeliebter als Settembrini. Deckt sich größtenteils mit jenen, die DSA als Lieblingsrollenspiel angeben.
  • D&D-Spieler? Hier fängt der Mist schon an. Diese Gruppe ist den DSA-Spielern zumindest im Meinungsprofil relativ ähnlich, nur dass hier die Meinungen zu DSA und D&D entsprechend umgekehrt sind. Ansonsten sind sie tendenziell eher älter & berufstätig, kennen aber auch eher weniger Rollenspiele! Gut, darunter kann ich mir schon sehr gut einen Typus vorstellen, nur trifft es D&D-Spieler nicht so wirklich. D&D ist zwar am stärksten vertreten, aber auch Shadowrun oder Warhammer sind hier gut vertreten. Wie nennen? Abenteuerrollenspieler (zu denen einige diesen Cluster wohl salopp werfen würden) eher ungern, denn ich möchte sie etwas stärker abgrenzen von der….
  • ARS-Front. DSA ist der Teufel, Stimmungsspiel böse, sie allein sehen in Powergamern (im Schnitt) etwas positives und auch Settembrini schneidet gut ab (da aber nicht alle dieses Clusters ihn gut bewerten, nahm ich Abstand davon, diese Gruppe “Pro-Hofrat” oder ähnliches zu nennen). Der Name passt gut.
  • ??? Die vierte Gruppe macht mir etwas Probleme. DSA, Shadowrun und D&D werden allesamt gut bewertet und sie sind sehr von Indie-Rollenspielen, Rollenspielblogs, den 24-Stunden-Rollenspielen und der GroFaFo-Challenge angetan. Eigentlich bewerten sie nichts wirklich schlecht, außerdem kennen und besitzen sie ziemlich viele Rollenspiele. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass sich hier ein beträchtlicher Teil der GroFaFo-Mannschaft tummelt…
  • ??? Die letzte Gruppe weist so ziemlich alles von sich. Die Meinungen zu den großen Spielen sind vernichtend, bis auf Brettspiele, Indie-Rollenspiele und Stimmungsspiel ist überhaupt keine Meinung (im Schnitt) positiv. Diese Gruppe ist tendenziell die älteste mit deutlich höherem Frauenanteil und ausgeprägten Aversionen gegenüber den großen Rollenspielen. Die Rollenspielerfahrung (->gespielte Systeme, Lieblingsrollenspiel etc.) geht entsprechend ziemlich in die Breite.

Angesichts dieser fortgeschrittenen Uhrzeit, stelle ich meine Bemühungen für heute ein. Ich hoffe, ich konnte einen ausreichend informativen Abriss der Cluster liefern, die ich euch bald vorstellen möchte. Hat jemand nette Ideen für ein paar Namen? Gute Nacht…

Die kleine Pause

Leider bin ich in den letzten Tagen über gewöhnliche Maße hinaus beschäftigt gewesen und werde dies die nächste Woche auch noch sein. Deshalb gibt es hier nur einen kurzen Eintrag, der sich schnell zusammenschustern ließ.

Da ich mir zur Auswertung der Daten erst noch einiges anlesen muss, weil es in meinem Studium bisher nur kurz Erwähnung fand, aber noch nie gefordert/angewendet wurde, ist der Fortschritt hier eben manchmal etwas schleppend. Tatsächlich entdeckte ich die letzten Tage - wenn denn Zeit blieb – ein paar interessante Cluster im Zuge der Clusteranalyse [pdf]. Wenn ich ein paar nette Namen für die Gruppen gefunden und die vielen Tabellen/Grafiken nett aufgearbeitet habe, werde ich nächste Woche nach und nach die Details von 5 Gruppierungen veröffentlichen, die sich in der Umfrage vertreten finden. Bis es so weit ist, werden allerdings noch einige Tage verstreichen…

Damit sich hier trotzdem was tut, möchte ich ganz kurz eine Anfrage aus dem GroFaFo bearbeiten. Immerhin sind fast 50% der Teilnehmer Singles und wenn man mal schaut, wie der Stand nach Geschlechtern unterschieden aussieht:

-> Zahlen und Signifikanz
Es sind nicht nur viel mehr Männer vertreten, sondern diese sind auch noch häufiger Singles. Von den wenigen Frauen, welche unserem Hobby fröhnen sind, sind 2/3 schon vergeben. (Alle Geschiedenen und Verwitweten Frauen & Männer wurden mal ausgelassen, sind eh nicht viele)

Leider kann ich kaum eine Hilfestellung bieten. Ihr könnt zwar gerne nachlesen, welche Rollenspiele die Damen am liebsten Spielen, oder was sie die letzten 12 Monate am meisten spielten, aber die Signifikanzen sind so mies… Ich würde da nichts drauf geben.

Immerhin ein Hinweis: Vielleicht schafft man es als SL eher, Spielerinnen zu gewinnen, da Spielleiterinnen unverhältnismäßig selten sind.

Zum Schluss noch ein kleiner Ausblick: Bei den bald folgenden Clustern sind die Geschlechterverhältnisse deutlich klarer.

Boxplots

Ich wurde auf die schöne Darstellung der Meinungsumfrage per Boxplots hingewiesen und hier präsentiere ich sie nun. Zur Interpretation muss aber noch einiges gesagt werden.

Die Meinungen wurden in insgesamt 7 Ausprägungen von -3 bis +3 erfasst. Man kann jeden dieser Werte als Mittelpunkt einer Klasse mit einer Breite von 1 definieren – die Klasse “0″ erstreckt sich also von -0,5 bis +0,5 usw., die “Randklassen” haben nur eine Breite von 0,5. Dann verteile man alle für eine Klasse abgegebenen Stimmen gleichmäßig auf diese. Alle Stimmen stehen dann in einer Rangordnung und werden durch drei Quartile (unteres, mittleres und oberes Quartil) in vier gleich große Abschnitte unterteilt.

Im Bereich von der linken Markierung bis zum linken Rand der Box versammeln sich die 25% der schlechtesten, abgegebenen Bewertungen. Die Box wird durch den Median geteilt (der identisch mit dem mittleren Quartil ist), der leicht zu interpretieren ist: 50% aller Stimmen waren besser und die anderen 50% schlechter als dieser Wert, was nicht mit dem blanken Mittelwert verwechselt werden darf. Der rechte Rand der Box ist das ober Quartil und beschreibt die 75%-Marke. 50% aller abgegebenen Stimmen entfallen also auf den durch die Box gekennzeichnete Fläche. Der Bereich bis zum rechten Rand schließlich beschreibt die oberen 25%.

Alles ganz einfach, oder?

-> Die exakten Werte

Übungsaufaben

Vielleicht sollte ich das hier nicht als ernsthafte Hypothesen aufstellen, aber ich tu’s doch, denn werden sie nicht bestätigt, würde mein Vertrauen in die Daten erschüttert.

(A) Die gesammelte Rollenspielerfahrung in Jahren ist vom Alter einer Person abhängig.
Klingt zunächst trivial, ist aber dennoch zu prüfen. Träfe stattdessen die Nullhypothese zu und es bestünde kein Zusammenhang, wäre beispielsweise ein 30-jähriger mit nur einem Jahr Rollenspielerfahrung so wahrscheinlich wie einer mit 15 Jahren. Meine Hypothese geht stattdessen aus, dass man wahrscheinlich relativ früh “angefixt” wird und mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit sinkt, noch zu unserem Hobby zu finden. Hier also die Korrelation:

Wie man nun weiß, ist die Korrelation nicht nur außerordentlich stark, sondern auch höchst signifikant. Man kann (A) also mit hoher Sicherheit als wahr annehmen.

(B) Mit steigender Rollenspielerfahrung in Jahren, steigt auch die Zahl gespielter Rollenspielsysteme.
Eigentlich auch klar, dass man mit den Jahren in diesem Hobby mehr und mehr Systeme gespielt hat. Ohne Zusammenhang, wären 20 oder nur 2 gespielte Systeme nach 20 Jahren Rollenspielerfahrung gleich wahrscheinlich. Wie sieht’s aus?

Der Zusammenhang ist nicht mehr ganz so heftig, aber noch immer stark und die Signifikanz ist auf unserer Seite. (B) ist also ziemlich sicher und für die neugierigen noch die Korrelation zwischen der Zahl an gespielten Systemen und dem Alter einer Person.

Es lassen sich viele Korrelationen finden, aber die Zusammenhänge muss man erst theoretisch Erfassen und in diesem Fall würde ich Rollenspielerfahrung als intervenierende Variable zwischen dem Alter und der Zahl gespielter Systeme sehen.

(C) Mit den Jahren an Rollenspielerfahrung wächst auch die Sammlung an Systemen (sowohl in Buchform als auch elektronisch).
Ich denke, ich brauche mich hier nicht zu wiederholen. “Elektronisch” – damit bin ich auch unglücklich, aber ich wollte nicht einfach “PDF” schreiben, um vielen nervenden Hinweisen auf ”.doc”s und sonstwas zu entgehen.

Auch ziemlich eindeutig, auch wenn die Zusammenhänge weiter schrumpfen. Immerhin, ein vorhandener Sammeltrieb scheint medienübergreifend zu sein, wie die Korrelation der Rollenspielsammlungen in Form von Büchern wie auch auf dem Rechner zeigt.

Zum Schluss noch etwas interessanteres: Da ich sehr oft höre, dass DSA ein typisches Einsteigerrollenspiel sei – also durch seine hohe Verbreitung prädestiniert für den “Erstkontakt” – stellt sich natürlich die Frage, wie sich die Meinung dazu im Laufe der Rollenspielerkarriere entwickelt. Ohne Hypothese einfach mal die Korrelation zwischen Rollenspielerfahrung in Jahren und der Meinung zu DSA:

Die Tendenz ist war nicht stark, aber vorhanden: Je länger man dem Hobby fröhnt, umso schlechter die Meinung von DSA. Vielleicht entfernen sich jene, die mit DSA angefangen haben, im Laufe der Zeit von dem System. Oder verstärken sich möglicherweise mit der Zeit die Vorurteile jener, die niemals DSA probiert haben? Habt ihr noch mehr Theorien?

Das für Heute und bis zum nächsten Mal. Für die hier vorgestellten Zusammenhänge werde ich mich wohl bald noch mit der Regressionsanalyse ausinandersetzen müssen. Da ist seit dem Statistikkurs leider einiges an Wissen verschüttet gegangen…

Korrelationen 101

So… Sonntag, Zeit für einen nächsten Beitrag. Wie versprochen: Weiteres zu Korrelationen. Dom hatte freundlicherweise kurz ausgeholfen, ich bin jetzt hier, um ein kleines bisschen weiter auszuholen.

Zu jedem einzelnen Befragten wurden rund 45 Merkmale erfasst. Nun kann man untersuchen, ob zwischen zwei (oder mehr) dieser Merkmale Zusammenhänge bestehen. Berechnet man nun die Korrelation zwischen zwei Merkmalen, kriegt man als Ergebnis eine dimensionslose Zahl von 1 bis -1 (den Korrelationskoeffizienten, im weiteren Text “Kor”).

Beispiele:

  • Bei einem perfekten, positiven Zusammenhang wäre Kor = 1. Dieser Extremfall tritt am ehesten ein, wenn man trivialerweise ein Merkmal mit sich selbst vergleicht. Ein solcher Wert ist normalerweise geradezu utopisch (zumindest in den Sozialwissenschaften).
  • Einen ziemlich starken Zusammenhang erkennt man in dieser Umfrage z.B. zwischen den Merkmalen “Meinung zu Hofrat/Settembrini” und “Meinung zu Abenteuerrollenspiel/ARS” mit Kor = 0,465. Mit einer positiven Bewertung des Hofrats geht also auch eine tendenziell hohe Bewertung von ARS einher und umgekehrt. Wird eines von beiden negativ bewertet, dann das andere ebenso. In Kurzform: Je mehr, desto mehr. Da die Korrelation noch lange nicht perfekt ist, bleiben noch genug Fälle, die aus dem perfekten Schema herausfallen. Die Korrelation zwischen Hofrat und D&D/D20 geht in dieselbe Richtung und ist mit 0,244 auch nicht als gering einzustufen.
  • Wenn überhaupt kein Zusammenhang vorliegt, dümpelt die Korrelation bei 0 herum.
  • Geht die Korrelation ins negative, liegt ein entgegengesetzter Zusammenhang vor (im Sinne von je mehr, desto weniger). Mit Kor = -0,11 zwischen Hofrat/Settembrini und DSA ist der negative Zusammenhang (unerwarteterweise?) nicht sehr stark, aber immerhin vorhanden. Im Studium durfte ich schon feststellen, dass man sich über Korrelationen größer 0,2 bzw. kleiner -0,2 schon freuen muss.
  • Die perfekte negative Korrelation mit Kor = -1 ist ebenfalls ein Extremfall und tritt z.B. ein, wenn man eine Variable mit ihrem eigenen Negativ vergleicht.

Wichtig ist, dass Korrelationen keinen Aufschluss über einen tatsächlichen kausalen Zusammenhang oder dessen Richtung liefern. Dieser muss erst noch durch eine Theorie hergestellt werden.

Ich hoffe hiermit können alle Leser nun mit der Korrelation etwas anfangen. Wenn in der Tabelle “Korrelation nach Pearson” steht, ist dies nur ein Hinweis auf eine angewendete Methode. Je nachdem, welcher Art die untersuchten Daten sind, werden leicht abweichende Modelle genutzt, die Interpretation des Kor bleibt aber gleich.

Noch kurz zur Signifikanz: Die Signifikanz gibt an, wie wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen Variablen rein zufällig ist. Nimmt die Signifikanz “hohe” Werte an, geht man eher davon aus, dass der ermittelte Zusammenhang rein zufällig. In der Praxis wird die Grenze üblicherweise bei 0,05 gesetzt und durch hohe Fallzahlen/viele Teilnehmer kann die Signifikanz deutlich verbessert, d.h. gesenkt werden. Bleibt die Signifikanz sogar unter 0,01 spricht man schon von höchster Signifikanz. Kurz: Für den Tabellenwert für die Signifikanz gilt, je niedriger, desto besser.

Noch einmal also zur Interpretation des vorletzten Beitrags: Insgesamt gehen die Korrelationen alle in die antizipierte Richtung. Mit positiver Bewertung des Hofrats geht tendenziell eine ebenfalls positive Bewertung von D&D/D20 (mittlerer Zusammenhang), ARS (relativ starker Zusammenhang) und auch Indie-Rollenspielen (schwacher Zusammenhang) einher, sowie eine eher negative Bewertung (insgesamt eher schwache bis mittlere Zusammenhänge) von DSA, Ulrich Kiesow und natürlich Stimmungsspiel. Der Zusammenhang mit dem DSA-Setting Aventurien ist allerdings nicht als signifikant einzustufen und damit unsicher/unwahrscheinlich.

Das war ein weiterer, wohl dringend nötiger Beitrag. Es geht aber bald mit interessanten Inhalten weiter. Leider spinnt der Terminal-Server der Uni zur Zeit, aber ich hoffe diesen Nachmittag weiterarbeiten zu können. Zu testende Hypothesen: (A) Mit steigendem Alter steigt die Rollenspielerfahrung in Jahren und (B) mit der Rollenspielerfahrung steigt auch die Zahl der bisher gespielten Rollenspiele und der Systeme im eigenen Besitz. Für manche vielleicht Trivialitäten, aber doch prüfenswert.

Repräsentativität

An einigen Stellen wurde bereits heftig die Aussagekraft der Ergebnisse dieser Umfrage kritisiert und sehr unterschiedlich eingeschätzt. Aussagekraft – das ist natürlich ein Problem der Repräsentativität, welche nur garantiert werden kann, wenn man vor der Erhebung eine Grundgesamtheit (=Population mit bestimmten Merkmalen, z.B. “Alle Menschen in der BRD” beim Mikrozensus) definiert und dann aus genau dieser eine ordentliche Stichprobe gezogen wurde. Mit dem Umfang der Stichprobe wächst gleichzeitig die Sicherheit, mit der man Schlüsse aus den Umfrageergebnissen auf die Grundgesamtheit verallgemeinern kann.

Die Umsetzung dieser einfachen Richtlinien – allein die Grundgesamtheit zu definieren und dann auch noch eine echte Stichprobe zu kriegen – ist in der Praxis oft schwierig bis unmöglich. Für Online-Umfragen kommen auch noch die Probleme hinzu, dass die Befragten sich selbst rekrutieren und auch keiner direkten “Kontrolle” durch einen Interviewer unterliegen. Welche Grundgesamtheit könnte dieser Umfrage zugrunde liegen? Alle aktiven Rollenspieler Deutschlands? Sehr (!) wahrscheinlich nicht.

Auf welche Population könnte man also mit diesen gesammelten Daten schließen? Dazu gibt es sicher viele Meinungen… Exakt erfassen kann man’s nicht (Außer vielleicht: „Nur die Teilnehmer“). Aber betrachte ich mir die Resonanz – gerade in den größeren Foren – die ich bekam, so meine ich, doch einen passablen Abklatsch einiger großer (deutscher) Rollenspielforen auch  und damit einem wichtigen Teil der Szene bekommen zu haben. Ich habe immerhin >500 Datensätze von einigen Tausend (Zehntausend?) die sich zumindest gelegentlich in den erreichten Foren herumtreiben. Es bleibt genug Spielraum, dass jeder für sich entscheiden muss, ob er die Ergebnisse annimmt oder nicht. Ich kann und werde dies niemandem abnehmen.

Gut… viel Quark in die Gegend gesetzt, den viele für notwendig hielten und der für Statistiklaien wohl notwendig war (der Rest hat sowieso schon eine Meinung zur Aussagekraft *gähn*). In diesem Sinne demnächst hier zu lesen: Eine kurze Einführung in Korrelationen mit Beispielen aus der Umfrage.

Nächste Seite »


a


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.