Archiv für Juni 2008

Frauenquote

Ein bischen durch diesen Thread auf Tanelorn angeregt, werde ich mich ganz kurz der Frauenquote in unserem Hobby widmen. Welche Quellen haben wir? Nun, im Netz habe ich immerhin ein paar Daten zum Frauenanteil gefunden:

  1. Meine Umfrage: 12,4% (515 Teilnehmer)
  2. Der Rollenspieler, das unbekannte Wesen: 11,9% (327 Teilnehmer)
  3. DRSP frag seit 2005 nach dem Geschlecht: 10,8% (2271 Teilnehmer)
  4. Peter Kathe hatte schon 1986 in einer Umfrage für seine Arbeit “Struktur und Funktion von Fantasy-Rollenspielen” nach dem Geschlecht gefragt: 14,4% (111 Teilnehmer)
  5. Außergewöhnlich ist der Umfang einer Marktorientierten Befragung der Spieleindustrie in den USA von 1999. Es gibt einen ausführlichen Report des für Wizards of the Coast relevanten Teils: 19% (~1000 Teilnehmer)
  6. Die vorbildliche Statistikseite des Tanelorn habe ich so informativ noch nirgends sonst gesehen: 15,2% (1638 “Teilnehmer”)

Mehr als das habe ich zur Zeit nicht zur Hand, aber es reicht allemal, eine gewisse Erwartungshaltung aufzubauen (Mittelwertbildung sollte man echt lassen): Behält man sich aus anderen Untersuchungen im Hinterkopf, dass Frauen noch immer seltener das Internet nutzen als Männer (siehe z.B. hier auf S. 7 [pdf]) erwarte ich bei einer Onlineumfrage einen Frauenanteil zwischen 10 bis 15, vielleicht 20 Prozent, der tatschich aber noch ein paar Prozent darüber liegt. Mehr mehr als 25% Rollenspielerinnen? Wohl kaum…

Ein paar Quellen, die keine großen Diskrepanzen aufweisen, gibt es also schon. Ich hoffe noch mehr zu finden. Falls jemand Daten zu Hand hat, die irgendwie auf- oder herausfallen: Her damit!

Die große Studie in den USA wurde außerdem noch sehr interessant von John Kim auf rollenspielrelevante Unterschiede zwischen den Geschlechtern untersucht. Da stimmte immerhin die Fallzahl…

RECODE ALTER (LOWEST THRU HIGHEST=MISSING).

Beim Durchsehen vieler Ergebnisse zu Umfragen fallen immer wieder negativ die viel zu grob kategorisierten Daten auf. Es ist eigentlich ein leichtes, nach dem Alter in Jahren oder dem Geburtsjahr zu fragen. Kann man in jeder Befragungsform leicht realisieren und man kann die Frage eigentlich leicht stellen, daran ist eigentlich nichts heikel, ich durfte schon als Interviewer deutlich unangenehmere Fragen stellen. Auch bei einer Online-Umfrage ist daran nichts kompliziert, abr trotzdem sehe ich immer wieder sowas:

Wie alt bist du?

  • Unter 18
  • 18 bis 25
  • 26 bis 40
  • 41 bis 60
  • über 60

Das ist ja auch locker-flockig aufgestellt, aber eigentlich für den Arsch. Man kann dann jeden Fall in einen von genau fünf Kategorien einordnen. (Nicht nur) der Soziologe spricht dann von einer ordninal skalierten Variablen, im Gegensatz zut tolleren metrisch skalierten Variablen, wie es das Geburtsjahr etwa wäre. Mit Skalenniveaus muss man sich bei der Analyse schon oft genug herumplagen. Hat man dann auch noch unnötig schlecht skalierte Variablen, weil bei der Erhebung Mist gebaut wurde, kann man viele lustige Tests direkt in die Tonne treten. Also: Lieber etwas genauer fragen und im Zweifelsfall lässt sich ein “komplexes” Histogramm…

Histogramm Altersverteilung

… immer zu so einem kraftlosen Tortendiagramm herabstufen (vom DRSP 2005).

Ich weiß nicht mehr, wie sie damals nach dem Alter gefragt haben, aber so ein Diagramm ist wertlos. Wenn schon Kategorien, dann wenigstens etwas sinnvoller und feiner aufgeteilte.

Weiter! Ich wollte das ansprechen, weil es mir auch bei einer anderen Umfrage negativ auffiel. Der Rollenspieler – Das unbekannte Wesen [Download bei LORP] lief vor etwas über einem Jahr und wurde im Wintersemester 06/07 im Rahmen eines Seminars zur empirischen Sozialforschung auf die Beine gestellt. Danke für’s Bereitstellen der Auswertung!

Man versucht hier nur so etwas wie einen Durchschnittsrollenspieler zu beschreiben, inklusiver einiger Verschnörkelungen wie Musikgeschmack und politische Orientierung. Fast alles deskriptiv und man hat einige interessante Dinge mitgenommen. Ich empfehle die Lektüre, denn es ist schnell gelesen, falls einem nicht schon die Diagramme reichen. Ich fand es interessanter als die Statistiken beim DRSP! Für multivariate Verfahren sähe ich auch ein paar Möglichkeiten, die Fallzahl von >300 gäbe da schon etwas her.

Ein paar Fragen sind vielleicht etwas verunglückt und zum Ende sind die Fragen zu “Wichtigkeit von Spielelementen” ziemlich belanglos, die vorhersehbar geringe Streuung der Antworten bietet kaum einen Erkenntnisgewinn. Gerade für eine bi- oder multivariate Untersuchung braucht man Fragen/Items/Variablen, bei denen eine ordentliche Streuung über wirklich alle Antwortmöglichkeiten auftritt. Nun, das war hier ja nicht der Fall… aber wenn ich mir noch einmal die Arbeit einer neuen Befragung mache, sollte ich mir immer wieder mal das eben gesagte in Erinnerung rufen.

RIP: DRSP

Es gab und gibt noch andere Umfragen, die uns mehr oder weniger bereichert haben.

Zum einen wäre da “Der Deutsche Rollenspiele Preis” [sic!], der zuletzt im Winter 05/06 lief, aber schon seit 2000 vergleichsweise erfolgreich war. Seit zwei jahren ist es dann doch recht still um das Projekt geworden, das eigentlich immer mit satten Zahl befragter Personen auftrumpfen konnte. Der erste (?) DRSP von 2000 bekam immerhin 632 Fälle zusammen, 2005 waren es dann sogar schon über 2200. Geschafft wurde dies mit einer relativ langen Laufzeit (etwa zwei Monate), viele unterstützende Partner sowie Sponsoren, die später wirklich haufenweise zu verlosende Preise gestellt haben!

Lange Zeit war das Ziel des DRSP “nur” einen Überblick über die beliebtesten Systeme, Bücher, Autoren, Zeichner, TableTops etc. zu kriegen, was auch den großen Verlagen scheinbar gut gefiel. Wenn man sich aber einen Fragebogen anschaut, sieht man, wie viel Potential verschenkt wurde: Es wird genau nichts demographisches erfragt. Wenn ich als Verlag so etwas sponsore, würde ich schon erwarten, wenigstens ein ganz primitives Profil meiner Kunden zu kriegen. Die Methode der Eingabe ist außerdem genauso schlecht wie leider auch bitter nötig. Der Aufwand, die mehr als 2000 Fragebögen per Hand zu codieren ist eklig, aber bei der Vielzahl gespielter Systeme kommt man mit vorgegebenen Antworten allein auch nicht aus. Viel Arbeit bei der Datensatzerstellung, aber so schlimm wird es nicht gewesen sein, schließlich wurde diese alte Form einige Jahre beibehalten.

Dann kam der runderneuerte und letzte DRSP im Jahre 2005. Es wurde jetzt voll und ganz auf Mehrfachantworten und Itembatterien gesetzt, was auch sehr effizient ist, um möglichst viel Information schnell zu gewinnen. Es wurde auch mit Filtern gearbeitet und insgesamt mehr Möglichkeiten der Technik genutzt, doch diese Vorteile wurden an anderer Stelle zerschlagen.

Der Fragebogen war relativ unvollständig und die Antwortmöglichkeiten oft zu starr. Die beliebte Frage nach dem beliebtesten Rollenspiel wurde gestrichen, eigentlich ein Markenzeichen des DRSP. Stattdessen wurde nur gefragt, ob und wie gut man dieses oder jenes Rollenspiel kennt und wie oft es gespielt wird. Es wurde jetzt hauptsächlich nach neuen Produkten gefragt, vermutlich um den Verlagen irgendwie entgegenzukommen. Für eine Kundenbefragung ging das aber ziemlich in die Hose, da die Listen reichlich unübersichtlich und auch unvollständig waren. Gelegentlich waren die Auswahlmöglichkeiten einfach nur wirr und auch im Tanelorn-Forum hagelte es reichlich Kritik.

Der runderneuerte DRSP war einfach nur unfertig. Man hätte noch ein oder zwei Monate mehr Arbeit investieren müssen, dann wäre vermutlich etwas dabei herausgekommen, dass jemand die Jahre darauf auch hätte fortsetzen wollen. Schade eigentlich, denn 2005 wurden das erste mal ein paar wirklich interessante Daten erhoben! Die Verteilung der Geschlechter, das Alter, die Zeit als Rollenspieler: Da finden sich durchaus Ähnlichkeiten zu meinen Daten. Die Möglichkeit einer bi- oder multivariaten Datenanalyse scheinen dort zwar auch keinem bekannt zu sein, aber immerhin ein Anfang.

Fazit: Mit viel Unterstützung durch Sponsoren wurde der DRSP über Jahre aufgebaut und als dann endlich der Durchbruch kam (neue Technik, interessantere Fragen) hat man so viel versaut, dass er wohl nicht wiederkommt. Die Auswertung des DRSP 2005 ist jedenfalls Standardkost geblieben. So viel dazu…

Hinweis: Die “Befragung von Fantasyrollenspielern” vor etwa einem Jahr harrt noch ihrer Auswertung, an der aber gearbeitet wird! Der Link zur Umfrage führt zwar leider ins nichts, aber der Bogen schlummert noch immer auf meiner Festplatte. Der Hofrat war nicht als einziger ziemlich unglücklich über die Fragen, die teilweise unheimlich waren:

Wieviele Rollen hast du insgesamt?

Hast du das Gefühl, dass du mit Nichtrollenspielern Verständigungsprobleme hast (unterschiedliche Weltsicht)?

Glaubst du, dass dir das Rollenspiel bei der Bewältigung deiner Probleme hilft?

Ich habe erst vor kurzem wieder bei der Erstellerin der Umfrage angefragt, ob den tatsächlich noch mit einer veröffentlichten Auswertung zu rechnen sei und ja, wir können hoffen! Es dauert zwar noch, aber es ist nicht vergessen.

Auch wenn die Untersuchung in eine doofe Richtung geht (Realitätsflucht), freue ich mich auf die Auswertung. Bitte etwas anspruchsvoller. Danke.

Fortschritte

Mittlerweile sind wir im Juni angelangt und es hat sich noch immer wenig getan. Dies ist vor allem durch die knappe Ressource Zeit bedingt, die durch mein Studium stark beschnitten wird. Den Rest könnte ich auf die Entwicklung der (sicher) kommenden Umfrage verwenden, doch sehr der Rational-Choice-Theory entsprechend, komme ich oft in die Verlegenheit abwägen zu müssen, ob ich dieses Projekt verfolge, oder anderen Aktivitäten nachgehe.

Rollenspielrunden und Spieleabende sind verführerisch, da sie relativ problemlos verfügbar sind und durch Spaß und Geselligkeit sehr direkt positiv sanktionieren. Für eine Umfrage, die größer als die alte sein soll, ist zunächst viel Arbeit nötig und das Ergebnis könnte unbefriedigend ausfallen. Wahrscheinlich einziger Lohn meiner Mühen wäre ein gewisses Maß an Anerkennung.

Für die nächste Umfrage wird auch deutlich mehr Aufwand nötig sein, da ich auf jeden Fall einen besseren Fragebogen erarbeiten möchte, bisher der kreative Funke fehlt und leider, leider eine neue Technik her muss. Meine Informatik-Kenntnisse sind ausreichend um selbst etwas entsprechendes zu programmieren, was aber ein richtig zäher Brocken Arbeit wird und bisher habe ich auch noch keine freie Lösung gefunden, die mich überzeugen konnte.

Offenes zum Projekt:

  • Fragebogen weiterentwickeln. Bisheriger Stand: Halb fertig.
  • Umfragesoftware schreiben oder etwas passendes finden. Leider noch komplett offen.
  • Ein paar Berater finden, zur Optimierung des Fragebogens. Zwei spielende Kommilitonen habe ich da schon.

Ansonsten werde ich noch andere Umfragen im Netz über Pen&Paper-Rollenspieler suchen, unter die Lupe nehmen und ggf. mit meinen Ergebnissen vergleichen. Außerdem lässt sich aus meinem alten Datensatz doch noch etwas herausholen, Stichwort Regression. Und vielleicht noch etwas mehr…


a


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.